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Strom weg und nun?

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Diese Reihe beschäftigt sich mit mehreren Aspekten eines längeren Blackouts. Damit ist gemeint, dass regional (nicht lokal= Stadtteil oder Strasse) oder über-regional für längere Zeit (>48 Stunden) die Stromversorgung ausfällt.

Warum nicht lokal?
Weil derartige „Problemchen“ nur im Winter und dem Ausfall der Heizung in gewissem Maße problematisch werden können. Die Versorgung mit Lebensmitteln und ähnlichem gehören eindeutig in die Verantwortung des Einzelnen.

Spannend wird es jedoch, wenn die Ausfallzeit länger als 48 Stunden anhält oder eben regional (Berlin-weit) oder über-regional (Norddeutschland, ganz Deutschland, Europaweit) auftritt.

In letzter Zeit hörte ich bei dem Nachrichtensender meines Vertrauens, dass ich mir ein Kurbelradion anschaffen solle, damit ich im Katastrophenfall (Berlin steht unter Wasser) oder gröberem (unser lupenrein demokratischer Nachbar oder einer seiner Erfüllungsgehilfen) hat eines der sicherheitstechnischen Scheunentore in der europäischen Stromversorgung ausgenutzt und jenes abgeschaltet.

Dass ich eine andere Philosophie zum Betrieb eines Ultrakurzwellenradios bevorzuge, hat mich nicht so direkt zum Kurbeln gelockt. Dann jedoch viel mir ein, dass ich vor drei Jahren schon einmal etwas zum Thema „Wie lange hält der RBB bei einem Blackout durch“ geschrieben hatte. Das basierte auf mittlerweile nicht mehr aktuellen Informationen, die dennoch nicht ganz falsch waren. Die zentrale Antwort lautete: 72 Stunden, wobei das Modulationssignal im Notfall per Richtfunk von der Masurenallee (das „Funkhaus“) zu den Sendestationen kommen sollte. Aber schon die Frage, ob letztere NEA (Netzersatzanlagen für dauerhaften Notbetrieb) haben, konnte (wollte?) mir keiner beantworten.

Da sind wir heute etwas weiter. Also lesen wir … Zentrale Info: Bei einem längeren Stromausfall (Blackout) in Berlin ist die Empfangbarkeit des RBB stark von der Art des Empfangswegs und der lokalen Notstromversorgung der Sendeanlagen abhängig.

Etwas ausführlicher (Wortwahl von mir):

Man (der Senat) geht davon aus, dass bei einem flächendeckenden Ausfall der Stromversorgung unter Berücksichtigung von Einschränkungen im „Haus des Rundfunks“ (kein Kaffee, kein Ausdrucken von eingehenden Mails an die GL) bis zu 72 Stunden Programm-Produktion möglich ist, dies (Modulations-Signal) per Dark Fibre, (dedizierter Lichtwellenleitung oder vulgo Glasfaserleitung), zusätzlich per Richtfunk (einfache Redundanz) zu den beiden Sendestationen , die mit eigenen NEA (Netzersatzanlagen, Dieselbetriebenen Generatoren) versehen sind, übertragen und von dort gesendet werden können.

Kurz gesagt: bei einem flächendeckenden Stromausfall soll längere Zeit (solange es Diesel aus der Senatsreserve gibt) der rbb senden können.

Sind die Dieseltanks dann leer, sollen sie per Ordre de Mufti (Berliner Krisenstab) mit Dieselnachschub beliefert werden.

Empfangsmöglichkeiten im Ernstfall

  • UKW-Radio: Dies ist der stabilste Empfangsweg. Wichtige Sender wie rbb24 Inforadio (93,1 MHz) oder rbb 88.8 können über ein Radio empfangen werden, solange die Sendeanlagen über Notstrom verfügen.
  • Fernsehen und Internet: Klassisches Fernsehen (DVB-T2, Kabel) sowie Internet-Streams fallen in den betroffenen Gebieten meist sofort aus, da private Internet-Router und TV-Geräte ohne Haushaltsstrom nicht funktionieren.

Dauer der Notversorgung

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Sendeinfrastruktur bei großen Störungen vor Herausforderungen steht:

  • Ausfall von Sendeanlagen: Bei dem massiven Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang 2026 fiel beispielsweise der Fernmeldeturm Schäferberg wegen fehlender Stromversorgung zeitweise aus. In solchen Fällen war der Empfang in den direkt betroffenen Vierteln (z. B. Wannsee, Zehlendorf) unterbrochen.
  • Überbrückungszeit: Kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser sind oft auf tagelangen Betrieb ausgelegt, während Rundfunksender bei großflächigen Blackouts auf die Priorisierung durch Krisenstäbe angewiesen sind. Der rbb selbst rät Bürgern, für eine Autarkie von bis zu zehn Tagen vorzusorgen.
  • Informationsgarantie: Um die Bevölkerung zu erreichen, hat der rbb in Krisensituationen bereits proaktiv Kurbelradios an Betroffene verteilt, um den Informationsfluss über UKW sicherzustellen.

All diese Informationen und Aussagen der Verantwortlichen geben aber nur eingeschränkt Antworten auf die zentrale Frage. Die einzige wertvolle Antwort war: der Fernmeldeturm Schäferberg hat KEINE NEA für den Betrieb bei Blackout.

Die wichtigsten Sendestandorte für das rbb-Programm verfügen über unterschiedliche Konzepte zur Notstromversorgung. Dabei wird zwischen Standorten im Eigenbetrieb des rbb und solchen der Deutschen Funkturm (DFMG) unterschieden:

Zentrale Standorte mit Netzersatzanlagen (NEA)

  • Berlin-Scholzplatz: Dies ist der einzige vom rbb in Eigenregie betriebene Großsender in Berlin. Er ist durch eigene Notstromaggregate am Standort selbst sowie am rbb-Standort Masurenallee gegen Stromausfälle gesichert. Im Falle einer Störung kann die Stromversorgung über diese Anlagen übernommen werden.
  • Berliner Fernsehturm (Alexanderplatz): Die dortigen UKW-Radiosender werden über eine Netzersatzanlage des Standorteigentümers (Deutsche Funkturm GmbH) versorgt, um auch bei einem flächendeckenden Blackout sendebereit zu bleiben.
  • rbb-Standort Masurenallee: Das Funkhaus verfügt über eine eigene Notstromversorgung mit NEA, die unter anderem die Modulationszuführung (die Übertragung des Programms zum Sender) absichert.

Eingeschränkte Notversorgung

Fernmeldeturm Schäferberg (Wannsee/Potsdam): Dieser Standort verfügt offenbar nicht über eine vergleichbare, autarke Netzersatzanlage für alle Dienste. Bei dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang 2026 fiel der Turm wegen fehlender Stromversorgung aus.

Notfallkonzept für den Hörfunk

Im Ernstfall übernimmt das Programm rbb24 Inforadio die Funktion des zentralen Notfallprogramms. Alle anderen rbb-Hörfunkwellen schalten bei Bedarf auf dessen Inhalte um, um eine einheitliche Informationsversorgung über die gesicherten UKW-Standorte (Alexanderplatz und Scholzplatz) zu gewährleisten.

Wie ist die Versorgung der Netzersatzanlagen in der Masurenallee, dem Scholzplatz und dem Berliner Fernsehturm nach 72 Stunden geregelt?

Nach 72 Stunden (3 Tagen) Blackout wechselt die Strategie von der stationären Bevorratung zur priorisierten Nachbelieferung durch Krisenstäbe. Da der rbb und die Sendeanlagen als kritische Infrastruktur (KRITIS) eingestuft sind, greifen dann spezielle Logistikpläne.
Hier ist die Regelung im Detail:

1. Eigene Bevorratung vor Ort

Die großen Anlagen sind darauf ausgelegt, die ersten Tage autark zu überstehen.

  • rbb Masurenallee & Scholzplatz: Die Netzersatzanlagen (NEA) verfügen über Dieseltanks, die einen Betrieb von mindestens 24 bis 48 Stunden unter Volllast ohne externe Hilfe ermöglichen. Bei Sparbetrieb (Abschaltung nicht-kritischer Technik) kann diese Zeitspanne oft (?) auf etwa 72 Stunden gedehnt werden.
  • Berliner Fernsehturm: Auch hier sind Treibstoffreserven für einen mehrtägigen Betrieb vorhanden. Die Deutsche Funkturm (DFMG) als Betreiber ist verpflichtet, die Betriebsbereitschaft für die dort ansässigen Sicherheitseinrichtungen und Rundfunksender sicherzustellen.

2. Nachversorgung nach 72 Stunden

Sobald die internen Vorräte zur Neige gehen, wird die Versorgung über den Berliner Krisenstab (wer gehört dem an, wer leitet ihn?) gesteuert:

  • Priorisierung: Der rbb gehört zum Sektor „Medien und Kultur“ der kritischen Infrastruktur. In Katastrophenplänen ist festgelegt, dass Sendeanlagen für die Warnung der Bevölkerung höchste Priorität bei der Treibstoffzuteilung (Diesel) haben.
  • Logistik: Der Nachschub erfolgt über gesicherte Tankwagen-Transporte, die durch die Polizei oder das THW eskortiert werden können, um Blockaden im Stadtgebiet zu umgehen. Die Senatsverwaltung für Inneres koordiniert hierbei die Zuweisung aus Landesreserven.

3. Redundanz im Sendebetrieb

Sollte ein Standort trotz Priorisierung ausfallen, kann das Programm durch die Vernetzung aufrechterhalten werden:

  • Die Modulationszuführung zwischen Masurenallee und Scholzplatz ist so redundant (Dark Fiber, Richtfunk), dass ein gezieltes „Umrouten“ der Signale über den jeweils noch betriebsbereiten Weg möglich ist.
  • Im Extremfall kann der Sendebetrieb am Standort Scholzplatz mit reduzierter Sendeleistung fortgesetzt werden, um den Kraftstoffverbrauch drastisch zu senken und die Zeit bis zum nächsten Tankwagen zu überbrücken.

Links, weiterführende Infos

Der folgende Link enthält die Antwort auf eine Schriftliche Anfrage eines Mitgliedes des Abgeordnetenhauses und ist die meiner meinung nach relevanteste Antwort auf die zentrale Frage: Wie lange ….

Hier ist sehr gut zwischen den Zeilen zu lesen. Der Senat entzieht sich beinahe jeder Verantwortung, verschiebt diese an den rbb und die erbringenden Dienstleister. Gleichzeitig wird klar, über welche fachliche Kompetenz der Senat verfügt.

https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-13683.pdf