Was gilt hier: ich schreibe selbst einen Text und lasse dann eine KI a) daraus einen Text in „einfacher Sprache“, b) im Stil einer von mir definierten Vorlage/Template schreiben, c) meinen Text lesbarer machen?
Diese Beispiele treffen den Kern der neuen Transparenzregeln: Nicht jede Nutzung von KI führt dazu, dass ein Text als „KI-generiert“ gilt.
Nach dem AI Act und den Leitlinien der EU-Kommission ist entscheidend, welche Rolle die KI im Entstehungsprozess spielt und wer die inhaltliche Verantwortung trägt.
Fall a) Umwandlung in „Einfache Sprache“
Beispiel:
Du schreibst einen Fachtext selbst und lässt ihn anschließend von einer KI in Einfache Sprache übertragen.
Was gilt?
In der Regel keine Kennzeichnungspflicht.
Warum?
- Der Inhalt stammt von Dir.
- Die KI verändert hauptsächlich Ausdruck, Satzbau und Wortwahl.
- Du prüfst und veröffentlichst das Ergebnis.
Die KI übernimmt hier eine ähnliche Funktion wie ein Übersetzer oder Lektor.
Fall b) Anpassung an ein eigenes Template oder einen bestimmten Stil
Beispiel:
Du schreibst den Text selbst und lässt ihn anschließend
- an den Stil Deiner Website,
- an ein Corporate Design,
- oder an ein festgelegtes Schreibmuster anpassen.
Meine Einschätzung
➡️ Keine Kennzeichnungspflicht.
Auch hier bleibt
- die Aussage Deine,
- die Fakten Deine,
- die Verantwortung Deine.
Die KI übernimmt lediglich die sprachliche Gestaltung.
Fall c) Lesbarer machen
Beispiel:
Du schreibst:
„Die Veranstaltung begann aufgrund der Witterungsverhältnisse verspätet.“
Die KI macht daraus:
„Wegen des schlechten Wetters begann die Veranstaltung später.“
Meine Einschätzung
➡️ Keine Kennzeichnungspflicht.
Das entspricht funktional einer stilistischen Überarbeitung oder einem professionellen Lektorat.
Warum?
Die Leitlinien der EU-Kommission unterscheiden zwischen:
KI als Werkzeug
Beispiele:
- Rechtschreibkorrektur
- Grammatik
- Stilverbesserung
- Zusammenfassung
- Übersetzung
- Einfache Sprache
- Formatierung
Hier bleibt der Mensch der eigentliche Autor und Verantwortliche.
KI als Autor
Anders wäre beispielsweise:
Du gibst lediglich ein Stichwort ein:
„Schreibe einen Artikel über den Flughafen Gatow.“
Die KI erstellt daraufhin den gesamten Text.
Dann stammt der veröffentlichte Inhalt im Wesentlichen von der KI. Je nach Art und Verwendungszweck können die Transparenzpflichten des AI Acts einschlägig sein, insbesondere bei Texten von öffentlichem Interesse.
Die Grauzone
Es gibt allerdings einen fließenden Übergang.
Beispiel:
Du schreibst zehn Zeilen.
Die KI erweitert daraus einen dreiseitigen Artikel.
Hier könnte man kaum noch von einer bloßen sprachlichen Überarbeitung sprechen.
Eine einfache Faustregel
| KI macht… | Kennzeichnung? |
|---|---|
| Rechtschreibung korrigieren | ❌ Nein |
| Grammatik verbessern | ❌ Nein |
| Lesbarkeit erhöhen | ❌ Nein |
| Einfache Sprache | ❌ Nein |
| Übersetzen | ❌ Nein |
| Stil anpassen | ❌ Nein |
| Kürzen | ❌ Nein |
| Zusammenfassen | ❌ Nein |
| Aus Stichpunkten einen vollständigen Artikel schreiben | ⚠️ Möglich, je nach Kontext |
| Vollständig neuen Artikel erstellen | ⚠️ Möglich, insbesondere bei Veröffentlichungen von öffentlichem Interesse |
Einordnung für Deine Arbeitsweise
Aus unseren bisherigen Gesprächen weiß ich, dass Du häufig selbst Texte verfasst und ChatGPT anschließend nutzt, um sie zu strukturieren, sprachlich zu verbessern, zu kürzen oder an einen bestimmten Stil anzupassen. In diesen Fällen bleibt die inhaltliche Verantwortung bei Dir; die KI fungiert als Redaktions- und Formulierungshilfe. Nach dem derzeitigen Verständnis des AI Acts spricht daher vieles dafür, dass hierfür keine Kennzeichnungspflicht besteht.
Der AI Act soll vor allem Transparenz schaffen, wenn die KI den veröffentlichten Inhalt wesentlich erzeugt oder wenn Nutzer über die Echtheit eines Inhalts getäuscht werden könnten. Er soll nicht dazu führen, dass jede Form von KI-gestützter Textbearbeitung offengelegt werden muss.